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Wartung einer Enthärtungsanlage mit Fleck 2900/2910: So gehen wir in 15 Schritten vor

17.10.2026 · Aqua Management GmbH · Wartung & Service
Fleck 2900 Steuerventil mit Steuerkasten und Betriebsanzeige auf dem Harzbehälter einer gewerblichen Enthärtungsanlage
Fleck 2900 auf dem Harzbehälter einer gewerblichen Enthärtungsanlage: oben der Steuerkasten, darunter das Steuerventil mit der Anzeige „Service / On line“ beziehungsweise „Off line“ für Betrieb, Stand-by und Regeneration. Zum Vergrößern klicken, dann ist die ganze Anlage zu sehen.

Die Steuerventile Fleck 2900 und 2910 sitzen auf vielen großen Enthärtungsanlagen in Industrie, Großküchen, Hotels, Wäschereien und Kliniken. Sie sind robust, über Jahrzehnte verfügbar und gut zu warten – wenn man weiß, wo sie verschleißen. Dieser Beitrag beschreibt, wie unsere Techniker die Wartung einer Enthärtungsanlage mit Fleck 2900 oder 2910 durchführen: vom Istzustand über Injektor, Steuerkolben, Solefüllventil und Soleventil bis zur Desinfektion und Freigabe. Die Fotos stammen aus unseren Einsätzen und zeigen, was wir an diesen Ventilen typischerweise vorfinden.

Vorab: Die Wartung eines Steuerventils ist ein Eingriff in die Trinkwasserinstallation und gehört in die Hände eines Fachbetriebs. Maßgeblich sind immer die Service- und Ersatzteilunterlagen des Herstellers für das konkrete Ventil. Die folgende Abfolge zeigt unsere Praxis; sie ersetzt keine Herstelleranleitung und keine Einweisung.

Warum das Steuerventil über die Lebensdauer der Anlage entscheidet

Bei einer Enthärtungsanlage mit Fleck 2900 oder 2910 passiert fast alles im Steuerventil: Es leitet das Rohwasser im Betrieb durch das Harzbett, schaltet für die Regeneration auf Rückspülen, Besalzen, Langsamspülen und Schnellspülen um und füllt anschließend den Solebehälter nach. Dafür arbeiten zwei Steuerkolben in einem Messinggehäuse, ein Injektor erzeugt den Unterdruck zum Ansaugen der Sole, und das Solesystem mit Solefüllventil, Soleventil und Luftrückschlagventil regelt, wie viel Sole wann in das Harzbett gelangt.

Jedes dieser Teile hat eine Schwachstelle. Kolbendichtungen verschleißen durch die Bewegung bei jeder Regeneration, Dichtflächen setzen sich mit Kalk, Eisen und Kupfersalzen zu, der Injektor verkrustet mit Salz, und am Solesystem korrodieren Verschraubungen. Eine Anlage, deren Ventil nie geöffnet wurde, liefert irgendwann schleichend härteres Wasser, verbraucht zu viel Salz oder regeneriert gar nicht mehr. Die Wartung setzt genau an diesen Stellen an.

Die 15 Schritte unserer Wartung

Die Reihenfolge ist bewusst gewählt: Erst der Istzustand, dann das Ventil von außen nach innen, dann das Solesystem, dann die Desinfektion des gesamten wasserführenden Systems und erst zum Schluss die Freigabe. Wer die Desinfektion vor dem Zusammenbau macht, desinfiziert die neuen Dichtungen nicht mit. Wer die Anlage freigibt, bevor das Desinfektionsmittel ausgespült ist, riskiert eine Beanstandung des Trinkwassers.

Phase 1: Istzustand aufnehmen

  1. Messen und Regeneration beobachtenRohwasserhärte, Resthärte hinter der Anlage, Eingangsdruck, Zählerstand und Salzstand werden gemessen und notiert. Dann wird eine Regeneration ausgelöst und jeder Schritt am laufenden Ventil geprüft: Schaltet der Kolben sauber in jede Stellung? Zieht der Injektor Sole an? Stimmen die Zeiten? Läuft das Abwasser frei ab? Auffälligkeiten hier erklären später oft den Befund im Inneren.

Phase 2: Steuerventil

Befund · Schritt 2Ausgebauter Injektor eines Fleck 2900 mit Salz- und Kalkkruste und Riss am Gewinde
Ausgebauter Injektor mit Salz- und Kalkkruste und einem Riss am Gewindeansatz. Beides führt zu Störungen beim Besalzen.
  1. Injektor demontieren und prüfenDer Injektor wird ausgebaut, Sieb und Dichtungen werden geprüft und bei Bedarf erneuert. Entscheidend ist die Kontaktfläche zwischen Steuerventil und Injektor: Sie wird gereinigt, damit der Injektor wieder dicht anliegt. Ein verkrusteter oder teilweise verstopfter Injektor erzeugt zu wenig Unterdruck – die Anlage saugt dann zu wenig oder keine Sole an, und das Harz wird nicht mehr vollständig regeneriert. Am abgebildeten Injektor war zusätzlich das Gewinde gerissen. Ein solcher Riss zieht Nebenluft, der Unterdruck bricht zusammen, und die Anlage besalzt unvollständig oder gar nicht. Ein gerissener Injektor wird getauscht, nicht gereinigt.
  1. Oberen Steuerkolben ausbauen und instand setzenDer obere Steuerkolben trägt die höchste mechanische Belastung im System, weil er bei jeder Regeneration die Wasserwege umschaltet. Er wird ausgebaut und auf Riefen und Verschleiß geprüft. Die Kolbendichtungen werden entnommen, die Dichtflächen im Gehäuse gereinigt und mit einer Messingbürste ausgebürstet, bis Ablagerungen und Kupfersalze entfernt sind. Danach wird die Bohrung mit Wasser ausgespült und mit einer Isopropanollösung desinfiziert. Neue Kolbendichtungen werden eingesetzt, der Steuerkolben wird eingebaut.
  2. Unteren Steuerkolben ausbauen und instand setzenDerselbe Ablauf für den unteren Steuerkolben: Dichtungen entnehmen, Dichtflächen reinigen und ausbürsten, Ablagerungen entfernen, mit Wasser spülen, mit Isopropanollösung desinfizieren, neue Dichtungen einsetzen, Kolben einbauen. Anschließend wird das Steuerventil vollständig zusammengebaut.
Befund · Schritt 3Oberer Steuerkolben eines Fleck 2900: Leckagespuren und Kruste an der Kolbenstangendurchführung
Leckagespuren an der Durchführung des oberen Steuerkolbens. Die Kruste entsteht aus austretendem Wasser und zeigt, dass die Dichtungen am Ende sind.
VorherVentilbohrung eines Fleck 2900 vor der Wartung: Kupfersalze und Ablagerungen an den Dichtflächen
NachherVentilbohrung des Fleck 2900 nach dem Ausbürsten: gereinigte Dichtflächen aus Messing

Ventilbohrung vor und nach dem Ausbürsten. Der grüne Belag wird oft Grünspan genannt, tatsächlich ist es Kupfer-Patina. Erst auf blankem Messing dichten die neuen Kolbendichtungen zuverlässig.

Phase 3: Solesystem

Befund · Schritt 5Undichtes Solefüllventil eines Fleck 2900 mit Korrosion an der Verschraubung der Soleleitung
Undichtes Solefüllventil: Feuchtigkeit auf dem Messinggehäuse und Kupfersalze an der Verschraubung der gelben Soleleitung.
  1. Solefüllventil demontierenDas Solefüllventil regelt, wie viel Wasser nach der Regeneration in den Solebehälter zurückläuft. Kolben und Kolbendichtungen werden geprüft, das Ventil wird gereinigt, Kolben und Dichtungen werden mit einem für Trinkwasseranwendungen geeigneten Silikonfett gefettet. Ein undichtes Solefüllventil erkennt man oft schon von außen an Korrosion und Feuchtigkeit an der Verschraubung der Soleleitung.
  2. Soleventil demontieren und prüfenAm Soleventil im Solebehälter werden Anschlüsse und Soleleitung kontrolliert, das Ventil wird gereinigt und die Sicherheitseinrichtung gegen Überfüllen des Behälters geprüft. Das Luftrückschlagventil, der Aircheck, wird gereinigt und auf Funktion geprüft: Es verhindert, dass die Anlage Luft ansaugt, sobald die Sole aufgebraucht ist. Ein hängender Aircheck ist eine der häufigsten Ursachen für Luft im Soleschlauch und unvollständige Regenerationen.

Phase 4: Zusammenbau, Desinfektion und Freigabe

  1. Anlage zusammenbauen und Desinfektionsmittel vorlegenNach dem Zusammenbau wird ein für Ionenaustauscherharz zugelassenes Desinfektionsmittel in den Solebehälter gegeben. Die Regeneration wird vorbereitet.
  2. Regeneration auslösen und Desinfektionsmittel einsaugenDie Anlage saugt das Mittel mit der Sole an und verteilt es über die Regenerationsschritte im Harzbett und in allen wasserführenden Bauteilen des Ventils. Damit werden Harz, Kolbenräume, Injektor und Soleleitungen gleichzeitig desinfiziert.
  3. Anlage absperrenSobald das Desinfektionsmittel vollständig eingesaugt ist, wird die Enthärtungsanlage komplett abgesperrt.
  4. Einwirken lassenDas Desinfektionsmittel wirkt etwa 30 Minuten im abgesperrten System ein.
  5. AusspülenDer Rohwasserzulauf wird langsam wieder geöffnet, eine Regeneration ausgelöst und das Desinfektionsmittel vollständig ausgespült.
  6. Restgehalt prüfenNach etwa zehn Minuten wird das Abwasser mit Teststäbchen auf den Restgehalt des Desinfektionsmittels geprüft.
  7. FreigabeErst wenn die Teststäbchen nicht mehr anschlagen, ist das Mittel ausgespült. Dann wird die Anlage wieder in Betrieb genommen, die Resthärte gemessen und die Anlage freigegeben.

Phase 5: Dokumentation und Übergabe

  1. Serviceeinsatz dokumentierenMesswerte vor und nach der Wartung, getauschte Teile, Befunde und Einstellwerte kommen in den Servicebericht. Er ist die Grundlage für den Vergleich bei der nächsten Wartung und für Nachweise gegenüber Auditoren und Behörden.
  2. Besprechung mit dem Kunden und GegenzeichnungDer Bericht wird mit dem Betreiber besprochen: Was wurde gefunden, was wurde getauscht, worauf ist bis zur nächsten Wartung zu achten. Der Servicebericht wird gegengezeichnet.

Was wir an Fleck 2900 und 2910 am häufigsten vorfinden

Die Fotos in diesem Beitrag sind keine Ausnahmen, sondern der Normalfall bei Anlagen, die länger nicht gewartet wurden. Vier Befunde kehren immer wieder:

  • Verkrusteter oder gerissener Injektor. Salz und Kalk setzen Sieb und Düse zu, ein Riss am Gewinde zieht Nebenluft. Die Anlage saugt zu wenig Sole, das Harz wird nur noch teilweise regeneriert, das Wasser wird schleichend härter – und der Salzverbrauch sinkt, was oft fälschlich als „sparsam“ gelesen wird.
  • Kupfersalze auf den Dichtflächen. Den grünen Belag auf dem Messing nennen viele Grünspan. Fachlich korrekt handelt es sich um Kupfersalze, eine Kupfer-Patina, die entsteht, wenn Messing dauerhaft mit salzhaltigem Wasser in Berührung steht. Auf rauen, belegten Flächen dichten auch neue Kolbendichtungen nicht. Deshalb gehört das Ausbürsten mit der Messingbürste dazu, nicht nur der Dichtungstausch.
  • Leckage am oberen Steuerkolben. Die Kruste an der Kolbenstangendurchführung ist das Zeichen, dass Wasser austritt. Bleibt sie unbeachtet, schädigt die Feuchtigkeit Antrieb und Steuerung.
  • Korrosion am Solefüllventil und an der Soleleitung. Salzhaltiges Wasser an Messingverschraubungen führt zu Kupfersalzen auf dem Metall und schließlich zu Undichtigkeit. Dann stimmt die Wassermenge im Solebehälter nicht mehr, und die Solekonzentration passt nicht.

Wartungsintervall und Ersatzteile

Für Enthärtungsanlagen in Trinkwasserinstallationen gibt die DIN EN 806-5 eine jährliche Wartung vor. Gewerblich und industriell genutzte Anlagen mit Fleck 2900 oder 2910 regenerieren deutlich häufiger als eine Hausanlage, entsprechend schneller verschleißen Kolbendichtungen und Injektor. Wir empfehlen für diese Anlagen in der Regel halbjährliche Intervalle; den passenden Rhythmus legen wir nach dem Befund der ersten Wartung fest. Für beide Ventile gibt es vom Hersteller Dichtungs- und Verschleißteilsätze, die wir bei jeder Wartung mitführen. Welche Teile tatsächlich getauscht werden, entscheidet der Zustand, nicht der Kalender.

Was Sie als Betreiber zwischen den Wartungen prüfen können

Drei Dinge lassen sich ohne Werkzeug kontrollieren: der Salzstand und ob das Salz im Behälter lose bleibt oder eine feste Kruste bildet, die Resthärte an einer Zapfstelle hinter der Anlage mit einem Teststreifen, und ob das Ventil während der Regeneration frei zum Abfluss entwässert. Steigt die Resthärte, fällt der Salzverbrauch ungewöhnlich oder steht Wasser am Ventil, ist das ein Grund, die Wartung vorzuziehen. Was im Störungsfall sonst noch zu prüfen ist, beschreibt der Beitrag Enthärtungsanlage gestört: Erste Hilfe.

Fleck 2900 oder 2910 im Betrieb, aber lange nicht gewartet? Wir nehmen den Zustand auf, führen die Wartung nach dieser Abfolge durch und dokumentieren jeden Schritt – herstellerunabhängig und mit Originalteilen.

Wartung anfragen

Fazit

Die Wartung eines Fleck 2900 oder 2910 ist mehr als ein Dichtungstausch: Injektor, beide Steuerkolben, Solefüllventil und Soleventil werden geöffnet, gereinigt und mit neuen Verschleißteilen versehen, bevor das gesamte wasserführende System desinfiziert und erst nach negativem Restgehalt freigegeben wird. Wer diese 15 Schritte regelmäßig durchführen lässt, hat ein Steuerventil, das über Jahrzehnte zuverlässig arbeitet, und eine Enthärtungsanlage, die konstant weiches Wasser liefert.

Weiterlesen: Enthärtungsanlagen: Wartung, Service und Reparatur · Wartungsvertrag · Der 6-Punkte-Serviceplan für Enthärtungsanlagen · Montage und Inbetriebnahme mit Checkliste. Begriffe wie Injektor, Sole und Regeneration erklärt das Glossar. Für Umkehrosmoseanlagen gibt es den entsprechenden Ablauf: Wartung einer Umkehrosmoseanlage in 24 Schritten.

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