Die wichtigsten Begriffe der Wasseraufbereitung, alphabetisch und kurz erklärt – so, wie sie in Wartungsprotokollen, Herstellerunterlagen und Gesprächen mit unseren Technikern vorkommen. Jeder Eintrag lässt sich direkt verlinken.
A B C D E G H I K L M N O P R S T U V W Z
A
- Absalzung
- Kontrolliertes Ablassen eines Teils des Kreislaufwassers in Kühltürmen oder Dampfkesseln, damit die durch Verdunstung aufkonzentrierten Salze nicht ausfallen. Gesteuert über die Leitfähigkeit. Siehe Kühltürme.
- Aktivkohlefilter
- Filter mit poröser Kohle, der Chlor, Geruchs- und Geschmacksstoffe sowie organische Verbindungen bindet. Vor Umkehrosmose-Membranen unverzichtbar, weil Chlor Polyamid-Membranen schädigt.
- Antiscalant
- Dosiermittel, das in Umkehrosmose-Anlagen das Ausfallen von Kalk und anderen Salzen auf der Membran verhindert (Scaling). Muss zur Rohwasserqualität und Ausbeute passen.
- Ausbeute (WCF, Water Conversion Factor)
- Anteil des Zulaufwassers, der bei einer Umkehrosmose als Permeat gewonnen wird; der Rest geht als Konzentrat ab. Eine zu hohe Ausbeute führt zu Scaling, eine zu niedrige verschwendet Wasser.
B
- Biofilm
- Schleimschicht aus Mikroorganismen auf Oberflächen, die mit Wasser in Kontakt stehen – in Harzbetten, Solebehältern, Membranen, Kühlkreisläufen. Nährboden für Legionellen; wird durch Desinfektion und Reinigung entfernt.
- 42. BImSchV
- Verordnung über Verdunstungskühlanlagen, Kühltürme und Nassabscheider. Regelt Anzeige, Überwachung, Legionellenuntersuchung, Betriebstagebuch und Sachverständigenprüfung für Betreiber. Siehe Kühlturm-Wartung nach 42. BImSchV.
- Biozid
- Wirkstoff, der in Kühlkreisläufen das Wachstum von Bakterien, Algen und Pilzen begrenzt. Dosierung und Konzentration werden bei der Wartung geprüft.
- Bypass
- Umgehungsleitung, über die Wasser an einer Anlage vorbeigeführt werden kann – etwa bei einer Störung, damit die Versorgung mit Rohwasser weiterläuft.
C
- Chlordioxid
- Desinfektionsmittel, das unter anderem zur Bekämpfung von Legionellen in Trinkwasser-Installationen eingesetzt wird. Anwendung, Dosierung und Sicherheitsmaßnahmen richten sich ausschließlich nach Gebrauchsanweisung und Sicherheitsdatenblatt des jeweiligen Produkts und nach den Vorgaben der Trinkwasserverordnung.
- CIP (Cleaning in Place)
- Chemische Reinigung einer Anlage ohne Demontage – bei Umkehrosmose die Membranreinigung mit saurer und alkalischer Lösung, in der Lebensmittelindustrie die Reinigung von Leitungen und Tanks.
D
- °dH (Grad deutscher Härte)
- Einheit der Wasserhärte. 1 °dH entspricht 10 mg Calciumoxid pro Liter bzw. etwa 0,18 mmol/l Erdalkali-Ionen. Bis 8,4 °dH gilt Wasser als weich, über 14 °dH als hart.
- Desinfektion
- Abtöten oder Inaktivieren von Mikroorganismen – chemisch (z. B. Chlor, Chlordioxid, Wasserstoffperoxid) oder physikalisch (UV-Strahlung). Enthärtungsanlagen im Trinkwasserbereich werden mindestens jährlich desinfiziert.
- Differenzdruck
- Druckunterschied zwischen Ein- und Ausgang eines Filters oder Membranmoduls. Steigt er, ist der Filter verblockt oder die Membran belegt.
- DIN EN 806-5
- Norm für den Betrieb und die Wartung von Trinkwasser-Installationen. Legt unter anderem fest, dass Enthärtungsanlagen jährlich (Einzelanlagen) bzw. halbjährlich (Gemeinschafts- und Gewerbeanlagen) durch einen Fachbetrieb gewartet werden. Siehe Wartungsvertrag.
- Dosieranlage
- Pumpe mit Steuerung, die ein Mittel in definierter Menge ins Wasser gibt – Antiscalant vor der Osmose, Biozid und Inhibitor im Kühlkreislauf, Härtestabilisator in der Hausinstallation.
E
- Eindickung
- Aufkonzentration der Salze im Kreislaufwasser eines Kühlturms durch Verdunstung. Wird über die Absalzung im Sollbereich gehalten; zu hohe Eindickung führt zu Kalkausfall und Korrosion.
- Enteisenung
- Entfernung von gelöstem Eisen aus Brunnenwasser: Belüftung oder Oxidation überführt Eisen in unlösliche Form, ein rückspülbarer Filter hält es zurück. Siehe Filteranlagen.
- Enthärtung
- Entfernung der Härtebildner Calcium und Magnesium aus dem Wasser, meist durch Ionenaustausch gegen Natrium. Siehe Enthärtungsanlagen.
- Entmanganung
- Entfernung von gelöstem Mangan. Verläuft langsamer als die Enteisenung und braucht einen höheren pH-Wert, längere Kontaktzeit oder katalytisches Filtermaterial.
- Entsäuerung
- Anheben des pH-Werts von Wasser mit aggressiver Kohlensäure, meist über ein Filtermaterial auf Calciumcarbonat- oder Dolomitbasis. Schützt Leitungen vor Korrosion.
G
- Gesamthärte
- Summe der Calcium- und Magnesiumionen im Wasser, angegeben in °dH oder mmol/l. Grundlage für die Auslegung einer Enthärtungsanlage.
H
- HACCP
- Hazard Analysis and Critical Control Points – Konzept zur Lebensmittelsicherheit, das Betriebe der Gemeinschaftsverpflegung umsetzen müssen. Wartungsprotokolle der Wasseraufbereitung gehören zur HACCP-Dokumentation. Siehe Großküchen.
- Härtestabilisator
- Dosiermittel, das Härtebildner in Lösung hält, sodass sie nicht als Kalk ausfallen – eine Alternative zur Enthärtung in bestimmten Installationen und Kühlkreisläufen.
- Harzbett
- Die Schüttung aus Ionenaustauscherharz im Druckbehälter einer Enthärtungsanlage. Wird bei der Regeneration mit Sole beladen und muss regelmäßig desinfiziert werden.
- Harzwechsel
- Austausch des gealterten Ionenaustauscherharzes, je nach Belastung etwa alle sechs bis zehn Jahre. Ein erschöpftes Harz liefert trotz Regeneration keine ausreichende Enthärtung mehr.
I
- Inbetriebnahme
- Erstes Anfahren einer Anlage mit Einstellung aller Parameter, Spülung, Funktionsprüfung und Referenzmessung. Die Referenzwerte sind die Basis für spätere Wartungen.
- Inhibitor (Korrosionsschutz)
- Dosiermittel, das in Kühl- und Heizkreisläufen Korrosion an Metalloberflächen hemmt. Konzentration wird bei der Wartung gemessen.
- Injektor
- Bauteil im Steuerkopf einer Enthärtungsanlage, das während der Regeneration die Sole ansaugt. Verstopft er, regeneriert die Anlage wirkungslos.
- Inspektion vs. Wartung
- Inspektion = Prüfen und Messen des Ist-Zustands, Reparaturen werden angeboten. Wartung = zusätzlich Pflege, Tausch von Verschleißteilen, Einstellung und Desinfektion nach Herstellervorgabe. Siehe Wartungsvertrag.
- Ionenaustausch
- Verfahren, bei dem ein Kunstharz Ionen aus dem Wasser gegen andere Ionen tauscht – bei der Enthärtung Calcium und Magnesium gegen Natrium, bei der Nitratentfernung Nitrat gegen Chlorid.
K
- Kapazität
- Wassermenge, die eine Enthärtungsanlage bei gegebener Rohwasserhärte zwischen zwei Regenerationen enthärten kann. Wird in der Steuerung hinterlegt und bei der Wartung mit dem tatsächlichen Verbrauch abgeglichen.
- Kesselspeisewasser
- Aufbereitetes Wasser für Dampfkessel und Dampferzeuger – enthärtet, bei höheren Drücken entsalzt und konditioniert, damit kein Kesselstein entsteht. Siehe Industrie.
- Kesselstein
- Harte Kalkablagerung auf Heizflächen, die beim Erhitzen harten Wassers entsteht. Verschlechtert den Wärmeübergang und kann zu Überhitzung führen.
- Konzentrat
- Der Teil des Zulaufwassers einer Umkehrosmose, der die aufkonzentrierten Salze enthält und abgeleitet wird. Gegenstück zum Permeat.
L
- Legionellen
- Bakterien, die sich in stehendem, lauwarmem Wasser vermehren – in Warmwassernetzen, Kühltürmen, Biofilmen. Einatmen von Aerosolen kann schwere Lungenentzündungen verursachen. Untersuchungspflichten regeln Trinkwasserverordnung und 42. BImSchV.
- Leitfähigkeit
- Maß für den Gehalt an gelösten Salzen im Wasser, angegeben in µS/cm. Wichtige Kenngröße für Umkehrosmose (Leitwert des Permeats), Kühlkreisläufe (Eindickung) und Kesselspeisewasser.
M
- Membran
- Halbdurchlässige Schicht in Umkehrosmose- und Nanofiltrationsanlagen, die Wasser durchlässt, gelöste Salze aber zurückhält. Wird in spiralgewickelten Modulen eingesetzt.
- Mischwasserhärte
- Härte des Wassers nach der Verschneidung von enthärtetem und unbehandeltem Wasser. Für Trinkwasser-Installationen meist auf etwa 6 bis 8 °dH eingestellt.
N
- Nanofiltration
- Membranverfahren zwischen Ultrafiltration und Umkehrosmose: hält zweiwertige Ionen (Härte, Sulfat) und organische Stoffe zurück, lässt einwertige Ionen teilweise durch. Arbeitet mit geringerem Druck als die Umkehrosmose.
- Nitratentfernung
- Senkung des Nitratgehalts, meist über einen selektiven Anionenaustauscher, der mit Salz regeneriert wird. Grenzwert der Trinkwasserverordnung: 50 mg/l.
O
- Oxidation
- Reaktion mit Sauerstoff oder Oxidationsmitteln, bei der gelöstes Eisen und Mangan in unlösliche, filtrierbare Form übergehen. Erster Schritt jeder Enteisenung.
P
- Permeat
- Das gereinigte, entsalzte Wasser, das durch die Membran einer Umkehrosmose tritt. Seine Menge und Leitfähigkeit sind die wichtigsten Kennwerte für den Zustand der Anlage. Siehe Umkehrosmose.
- Protokoll (Wartungsprotokoll)
- Dokumentation eines Serviceeinsatzes mit Messwerten vor und nach der Wartung, durchgeführten Arbeiten, getauschten Teilen und Einstellwerten. Dient als Nachweis gegenüber Versicherung, Vermieter, Gesundheitsamt und Sachverständigem.
R
- Regeneration
- Wiederaufladen des Harzbetts einer Enthärtungsanlage mit Salzsole in vier Schritten: Rückspülen, Besalzen, Schnellwaschen, Sole füllen. Siehe Wie funktioniert eine Enthärtungsanlage?
- Regeneriersalz
- Reines Natriumchlorid in Tabletten- oder Grobkornform, aus dem die Sole für die Regeneration hergestellt wird. Speise- oder Streusalz sind ungeeignet.
- Resthärte
- Die Härte, die nach der Enthärtung und Verschneidung im Wasser verbleibt. Wird bewusst eingestellt, damit Wasser nicht korrosiv wird und Geräte wie Kaffeemaschinen das passende Wasser bekommen.
- Rohwasser
- Das unbehandelte Wasser vor der Aufbereitung – aus dem öffentlichen Netz, einem Brunnen oder einem Oberflächengewässer.
- Rückspülung
- Durchströmen eines Filters oder Harzbetts entgegen der Fließrichtung, um zurückgehaltene Partikel auszutragen und das Bett aufzulockern. Bei Enteisenungsfiltern regelmäßig, bei Enthärtern zu Beginn jeder Regeneration.
S
- Salzbrücke
- Feste Salzkruste im Solebehälter, unter der sich ein Hohlraum bildet. Die Anlage zieht dann Wasser statt Sole und regeneriert wirkungslos – eine der häufigsten Störungsursachen. Siehe Störungsdienst.
- Scaling
- Ausfallen von Kalk und anderen Salzen auf Membranen oder Wärmetauschern. Wird durch Enthärtung, Antiscalant und richtige Ausbeute verhindert.
- SDI (Silt Density Index)
- Kennwert für die Verblockungsneigung von Wasser durch Partikel und Kolloide. Für Umkehrosmose-Membranen sollte der SDI des Zulaufs unter 3 liegen.
- Sole
- Gesättigte Salzlösung aus dem Solebehälter, mit der das Harzbett regeneriert wird.
- Speisewasser
- Aufbereitetes Wasser, das einem Gerät zugeführt wird – etwa einem Dampfkessel, Sterilisator oder RDG. Die Anforderungen legt der Gerätehersteller fest.
- Steuerventil (Steuerkopf)
- Zentrale Baugruppe einer Enthärtungs- oder Filteranlage, die Betrieb, Rückspülung und Regeneration steuert. Enthält Kolben, Dichtungen und Injektor – typische Verschleißteile.
T
- Teilentsalzung
- Entfernung eines Teils der gelösten Salze, meist über einen Ionenaustauscher – in Spülmaschinen für fleckenfreies Trocknen eingesetzt.
- TrinkwV (Trinkwasserverordnung)
- Deutsche Verordnung über die Qualität von Wasser für den menschlichen Gebrauch. Legt Grenzwerte, Untersuchungspflichten und Anforderungen an Betreiber fest – auch für Eigenwasserversorgungen aus Brunnen.
- Trübung
- Sichtbare Eintrübung des Wassers durch feine Partikel, angegeben in NTU. Trübstoffe schirmen Keime vor UV-Strahlung ab und müssen vor der Entkeimung gefiltert werden.
U
- Umkehrosmose (RO)
- Membranverfahren, bei dem Wasser unter Druck durch eine halbdurchlässige Membran gepresst wird, die gelöste Salze zurückhält. Liefert entsalztes Permeat für Spülmaschinen, Dampferzeuger, Labore und Produktion.
- UV-Desinfektion
- Entkeimung durch UV-C-Licht (254 nm), das die DNA von Bakterien, Viren und Parasiten schädigt – ohne Chemikalien. Wirkt nur in klarem Wasser. Siehe UV-Trinkwasserdesinfektion.
V
- VDI 2047
- Richtlinienreihe zur Hygiene bei Rückkühlwerken und Verdunstungskühlanlagen. Beschreibt Gefährdungsbeurteilung, Hygieneplan und Wartungsumfang und ist die technische Grundlage zur 42. BImSchV.
- VE-Wasser (vollentsalztes Wasser)
- Wasser, dem nahezu alle gelösten Salze entzogen wurden – durch Umkehrosmose, Ionenaustausch oder deren Kombination. Wird für Sterilisatoren, Labore, Dampferzeuger und Befeuchtung benötigt.
- Verschneidung
- Beimischen von unbehandeltem Wasser zum enthärteten Wasser, um eine definierte Resthärte einzustellen. Wird bei der Wartung gemessen und nachjustiert.
W
- Wartung
- Planmäßige Maßnahmen zum Erhalt der Funktion einer Anlage: Prüfen, Messen, Pflegen, Tauschen, Desinfizieren, Dokumentieren. Intervalle nach DIN EN 806-5 und Herstellervorgabe.
- Wasserhärte
- Gehalt an gelösten Erdalkali-Ionen (Calcium, Magnesium). Bestimmt, wie viel Kalk beim Erwärmen ausfällt. Siehe Wissenswertes über Kalk.
Z
- Zwangsregeneration
- Regeneration nach einer festgelegten Zeit unabhängig vom Verbrauch, damit das Harzbett bei geringer Abnahme nicht wochenlang stillsteht und verkeimt.
- Zusatzwasser
- Wasser, das einem Kühlkreislauf nachgespeist wird, um Verdunstungs- und Absalzverluste auszugleichen. Wird meist enthärtet, damit sich kein Kalk im Kreislauf anreichert.
Weiterlesen: Häufige Fragen · Wissensbereich · Branchenübersicht.
